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Jetzt geht’s um mich –

Die Stürme des Mutteralltags durch Selbstcoaching meistern

Ein Treffen mit Yvonne ist immer auf eine gewisse Art besonders und hinterlässt mich zumeist inspiriert und freudig aber auch nachdenklich und reflektierend. Durch sie erhielt ich ein tieferes Verständnis dafür, welche Gefühle Kinder in uns auslösen können und wie sehr das Mutterdasein uns verändert. Ich bekomme auch mit, dass viele (insbesondere junge) Mütter mit Sorgen und Ängsten zu kämpfen haben. Grund für mich als Erziehungswissenschaftler und Coach sich einmal genauer mit dem Thema auseinanderzusetzen.

 

Mutteralltag – Zwischen Dankbarkeit und Überforderung

Die Gesellschaft verändert sich. In Zeiten von Patchwork Familien, alleinerziehenden Elternteilen, homosexuellen Paaren, die Kinder adoptieren um eine Familie zu gründen, verändert sich nicht nur der Begriff „Familie“ an sich, sondern auch die Rolle der Mutter. Diese wird heute nach wie vor häufig unterschätzt. Neben den zahlreichen positiven Seiten des Mutterdaseins haben viele Mütter mit zahlreichen Herausforderungen zu kämpfen. Da ist beispielsweise der Spagat zwischen Beruf und Familie, die hohe Verantwortungsübernahme, Ängste um das Kind oder um die Zukunft. All diese Dinge stellen Stressoren dar, die sich nicht nur auf die eigene Gesundheit und Belastbarkeit auswirken, sondern auch auf die Kinder selbst. Vielleicht hat es der ein oder andere ja schon einmal erlebt: nach einem langen Tag der mit viel Stress und Hektik verbunden war fällt man erschöpft und völlig fertig aufs Sofa oder ins Bett. Das Kind schläft endlich, die Hausarbeit so gut wie möglich erledigt, für den morgigen Tag ist alles vorbereitet. „Endlich Ruhe und Zeit für mich“, denken sich jetzt viele. Und hier fängt meistens alles an: das Gedankenkreisen, die Sorgen, das „Nicht-zur-Ruhe kommen“. Man möchte sich eigentlich ausruhen, schweift aber immer wieder ab. Vielleicht zeigen sich sogar Gefühle wie Traurigkeit oder Angst. Für dieses Phänomen gibt es eine einfache neurophysiologische Erklärung. In unserem Gehirn vernetzen sich täglich mehrere tausend Synapsen zu sogenannten Datenautobahnen. Empfinden wir belastende Gefühle wie z.B. Angst, Wut, Hilflosigkeit oder Scham werden diese Gefühle mittels Synapsen miteinander verknüpft und im Gehirn gespeichert. Auf die gleiche Art und Weise werden übrigens auch Gedanken verarbeitet. Manchmal werden so auch Gedanken und Gefühle verknüpft: empfindet man beispielsweise einmal starke Angst und denkt aufgrund dieser Angst „Ich werde das nie schaffen“ so verknüpfen sich Gefühl und Gedanke und lassen eine dieser Datenautobahnen entstehen. Hier gilt das Prinzip: Je öfter diese Gedanken und Gefühle wiederholt werden, umso größer wird die Datenautobahn. Wir greifen auf diese Datenautobahnen hundertfach am Tag zu. Ein Beispiel dafür ist die Routine des Nachhauskommens. Die meisten von uns verwenden hier routiniert die meisten Schritte (z.B. Jacke ablegen, Schlüssel aufhängen, Einkäufe einräumen etc.) und greifen somit automatisiert auf eine Vernetzung im Gehirn zurück. Was passiert aber wenn nun man zur Ruhe kommt? Ganz einfach: das Gehirn findet nun keine Aktivität mehr, die es mit einer Datenautobahn verknüpfen kann und greift somit auf eine andere Vernetzung im Gehirn zurück. Und diese Vernetzung ist zumeist die, die mit Stress, negativen Gedanken und belastenden Gefühlen verbunden ist. Daher fällt es vielen Müttern, die von Stress geplagt werden, so schwer zur Ruhe zu kommen. Daraus können schnell Glaubenssätze entstehen (z.B. „Ich bin keine gute Mutter“ oder „Ich habe viel zu wenig Zeit für mein Kind“) die unser Erleben und unseren Alltag bestimmen und mitunter auch einschränken können. Dies äußert sich auch durch unsere Sprache, so habe ich in früheren Gesprächen mit Müttern feststellen können, dass sie in Stresssituationen häufig sagen „Ich stehe neben mir“ oder „Ich kann das nicht verkraften“. Neurolinguistisch betrachtet drückt dies sehr gut aus, wie sich die Stressempfindung im Körper wiederspiegelt: man hat das Gefühl nicht bei sich zu sein oder keine Kraft zu empfinden.

Wie kann Selbstcoaching helfen?

Ein professionelles Coaching kann u.a. dazu beitragen belastende Gedanken, Gefühle und Stress zu lösen, seine eigenen Ressourcen zu stärken und einschränkende Glaubenssätze in positive Ich-Botschaften zu verwandeln. In meiner Arbeit als Coach stelle ich häufig fest, dass man eigentlich selbst sein bester Coach ist. Es ist also mit Hilfe von bestimmten Übungen zum Selbstcoaching durchaus möglich, Stress abzubauen und positive Veränderungen in seinem Leben zu erreichen. Einige dieser Übungen sind im beigefügten PDF zu finden.

Spiegelneuronen, Familie als System und das innere Kind

Warum ist der Satz „Jetzt geht’s um mich“ so wichtig für Mütter? Durch die sogenannten Spiegelneuronen (Gehirnzellen für emotionale Empathie) sind wir mit unseren Kindern gefühlsmäßig verbunden, d.h. sie fühlen viele unserer Gefühle und umgekehrt. Der Wunsch nach einem glücklichen und fröhlichem Kind ist also nur schwer realisierbar, wenn die Mutter gestresst und unglücklich ist. Die Selbstcoachingübungen können dabei helfen positive Gefühle zu aktivieren, diese wirken sich auch unmittelbar auf das Kind und seine Gefühlswelt aus. Zudem kann sich auch die Situation in der Familie ändern, da die Familie als eine Art System funktioniert. Verändert sich ein Element im System zum positiven wirkt sich dies zweifellos auch auf die anderen Mitglieder der Familie aus, was auch Müttern dabei helfen kann ihre Rolle in der Familie zu festigen und ggf. auch zu verändern (z.B. Aufgaben an andere Familienmitglieder abzugeben oder sich selbst Ruhezeiten zu gönnen). Darüber hinaus sollten auch Mütter nicht vergessen, dass sie selbst einmal Kinder waren und sich gelegentlich erlauben ihrem eigenen kindlichen Anteil Aufmerksamkeit zu schenken. Wie schnell können doch Alltag und Sorgen vergessen sein, wenn man gemeinsam mit dem Kind bei Sauwetter laut schreiend in die Pfützen springt, Fischstäbchen und Kartoffelpüree futtert und auf dem Kinderspielplatz die Schaukel in Beschlag nimmt, um sich mit jedem Abstoßen vom Boden freier, unbeschwerter und glücklicher zu fühlen.

Wer schreibt hier?

Jari Andresen ist Erziehungswissenschaftler und Coach mit den Schwerpunkten Prüfungsblockaden, Auftrittscoaching und Stressmanagement in Münster. Er ist ausgebildet u.a. in klinischer Hypnose, energetischer Psychologie, iEMDR und systemischer Familienrekonstruktion. In seinen Coachings, Vorträgen und Seminaren verbindet er wissenschaftliche Hintergründe mit dem spürbaren Erleben von Veränderungsprozessen.

Kontakt:

www.jari-andresen.de

www.andresen.hypnose@gmail.com

Literaturnachweise:

1. Bernhardt, K. (2016): Panikattacken und andere Angststörungen loswerden. Wie die Hirnforschung dabei hilft, Angst und Panik für immer zu besiegen. Berlin: Verlag Think and Change.
2. Weber, F. (2017): Hypnosetherapie. Auflösende Hypnose. Hamburg: Eigenverlag.
3. Besser-Siegmund, C. / Siegmund, L.A. (2016): Work-Health-Balance. Aktiver Stressabbau mit der WingWaveÒ-Methode. Gesund trotz viel Arbeit. Hannover: Humboldt Verlag.
4. Blickhan, D. (2015): Positive Psychologie: Ein Handbuch für die Praxis. Paderborn: Junfermann-Verlag.
5. Hanf-Dressler, N./ K. (2014): Angstfrei durch Selbsthypnose. Die HypnosÒ-Methode erfolgreich selbst anwenden. Berlin: Allegria.

 

Gastartikel – Übungen

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